RVO SoSe 2017

Eine vom Kollektiv decoloniz.ando gemeinsam mit der bagru.ie selbstorganisierte Ringvorlesung:

Coloniality under De_Construction –
Dekoloniale Perspektiven und Aktivismen

Wann?: ab 09.03.17 immer donnerstags, 18.30-20.00 Uhr
When?: eyery Thursday from 09.03.17 onwards, 18.30-20.00 o’clock

Wo?/Where?: Hörsaal A UniCampus Zugang Hof 2

Website: https://decolonizando.wixsite.com/underdeconstruction

Fragen?/Questions?: decoloniz.ando[at]posteo.de

Was? (english version below)

In der Ringvorlesung möchten wir uns durch Inputs verschiedener Vortragender, Aktivist_innen und Kollektive damit auseinandersetzen, inwiefern sich heutzutage noch immer (post-)koloniale Strukturen in der Gesellschaft fortschreiben, und wie diese aus dekolonialen, machtkritischen und intersektionalen Perspektiven reflektiert, verändert und überwunden werden können.

Mit dem Begriff “Kolonialität” (engl. Coloniality) wird eine globale Struktur bezeichnet, die auch nach den großen Wellen der formalen Unabhängigkeit ehemaliger Kolonien gegenwärtig ist und die herrschenden ökonomischen, politischen und epistemischen Verhältnisse und Vorstellungen von der Welt prägt. Wenn wir von und über Kolonialität sprechen, geht es nicht nur um ein abstraktes theoretisches Konzept oder um imaginierte “exotische” Orte. Koloniale Strukturen befinden sich nach wie vor “under construction” und manifestieren und materialisieren sich auf vielfältige Art und Weise: zum Beispiel in Form von Alltagsrassismen, von denen nicht-weiße Menschen täglich betroffen sind, in der Delegitimierung von nicht-westlichen Wissensformen und -organisationen, in sexistischen und trans*feindlichen Politiken und in der im Laufe der europäischen kolonialen Expansion geschaffenen internationalen Arbeitsteilung. Die im Kolonialismus gewaltvoll festgeschriebene Opposition zwischen einem als souverän imaginierten, weißen, männlichen, heterosexuellen Subjekt und den kolonialisierten Anderen bestimmt weltweit Machtverhältnisse und Denkmuster. Die dominante Geschichtsschreibung ist von diesem männlichen und weißen bzw. westlichen Blick geprägt – eine Historiographie über die Anderen, die dabei selten zu Wort gekommen sind. Dies steht im Kontrast zu Bewegungen und Kämpfen gegen Kolonialität, die es immer schon gegeben hat und weiterhin gibt.

In diesem Semester soll es nun einerseits darum gehen, wichtige Begriffe und Theorien für die Auseinandersetzung mit Kolonialität und dekolonialen Perspektiven zu klären. Andererseits soll aktuellen dekolonialen Initiativen und Aktivismen Raum gegeben werden. Es geht um eine Reflexion darüber, wie wir selbst in einer (post-)kolonialen Welt positioniert sind, welche kolonialen Kontinuitäten sich in Wien, in Österreich, in uns selbst fortschreiben. Wer, wie und was kann/soll v_erlernen und v_erlernt werden?

Die Vorlesungsreihe ist in fünf thematische Blöcke unterteilt: nach der theoretischen und begrifflichen Einführung geht es um die De_Kolonialität von Körpern und Sexualität(en). In einem dritten Block geht es um akademische und urbane Räume. Anschließend werden dekoloniale Methoden vorgestellt, hinsichtlich empirischer Forschung, politischem Theater sowie Schwarzer österreichischer Geschichte. Der letzte Block beschäftigt sich mit den (Un)Möglichkeiten dekolonialer Ansätze auf polit-ökonomischer Ebene. In der Abschlusseinheit wird es voraussichtlich um queer-feministischen migrantischen Aktivismus und die kritische Aneignung von Sprache in Österreich gehen. Außerdem soll Raum für ein Resümee und offene Fragen sein.

Programm am wunderschönen Flyer, der Website oder klassisch im Vorlesungsverzeichnis.

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What?

Throughout the lecture series we want to explore, through the participation of various speakers, activists, and collectives, to what extent (post-)colonial structures continue to be reproduced in the present day and how these can be reflected, changed and overcome from a decolonial, power-critical and intersectional perspective.

The term “coloniality” denotes a global structure, which, despite the waves of formal independence of former colonies, is still present today and is still shaping the dominant economic, political, and epistemic relations and depictions of the world. When we speak of and about coloniality, we are not referring to abstract theoretical concepts or imaginary “exotic” places. Colonial structures are still “under construction” and manifest as well as materialize themselves in various ways and manners, for example: in forms of everyday-racism, by which racialized people are daily affected; through the de-legitimisation of non-Western forms of knowledge and knowledge-organisation; in sexist and trans*phobic policies and in the international labour division, which was formed by European colonial expansion. Through colonialism, the opposition between the white, male, heterosexual subject (imagined as a confident, sovereign individual) and the colonised “Other” was violently codified in discourse and determines power relations and thinking patterns on a global scale. The dominant writing of history is shaped by this white, male, respectively Western point of view and represents a historiography about the “Others,” who have been made silent. This is in contrast to movements and struggles against coloniality, which were always active and continue to be fought today.

In this semester important terms and theories for the examination of coloniality and decolonial perspectives will be introduced. Space will also be opened up for current decolonial initiatives and activisms. With this lecture series, we hope to promote reflection on how we ourselves are positioned in a (post-)colonial world, which colonial continuities are being reproduced in Vienna, in Austria and within ourselves. Who, how and what can we un_learn, can be un_learnt?

The lecture series is divided into five thematic blocks. Following a theoretical and terminological introduction, the second block centres around the de_coloniality of bodies and sexualities. A third block engages with academic and urban spaces. Subsequently, decolonial methods relating to empirical research, political theatre, as well as Black Austrian History are introduced. The last block will address the (im)possibilities of decolonial approaches to political-economy. The final lecture will presumably centre around queer-feminist migrant activism and the critical appropriation of language in Austria. Furthermore, there will be room for open questions and a summary.

You find the programme at our beautiful Flyer, our Website or as always in the lecture timetable.