Ringvorlesung Degrowth

Selbstorganisierte Ringvorlesung:

Postwachstum. Zwischen Utopie und Praxis: Degrowth ein Ausweg aus der Sackgasse?

Zeit: Immer Mittwochs ab 05.10. 18:30-20:00

– Time: Wednesday (beginning 05.10.) 18:30-20:00

Ort – place: Universität Wien, Hörsaal 23 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 5

#### English Version Below

Eine wachsende Wirtschaft soll zu sozialem Wohlstand führen. Doch: Immer mehr und mehr – wie kann das funktionieren in einer Welt, die nur über begrenzte Ressourcen verfügt? Das ist eine Frage, die angesichts der immer offensichtlicher zu Tage tretenden Konsequenzen ökologischer Krisen konfrontiert und polarisiert.

Eine Antwort bieten Konzepte des “Postwachstums”, die unter dem Schlagwort “degrowth” zu einer zunehmend prominenteren Debatte werden. In diesem Rahmen wird sich ganz von Wachstumslogiken abgewandt sowie bezweifelt, dass eine auf Wachstum ausgerichtete Welt in Zukunft tragfähig sein wird – weder für die Umwelt noch für eine gerechte Gesellschaft. Dagegen steht das Versprechen, dass ein gutes Leben für alle in einer Zukunft ohne Wachstum möglich sein kann.

Warum dieses Versprechen k\eine Utopie ist, soll im Rahmen der Ringvorlesung aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert werden. Der Beginn der Vorlesung formuliert eine kritische Zeitdiagnose, die auch im Diskurs des Postwachstums geteilt wird. Im nächsten Schritt werden die grundsätzlichen Strömungen und Ideen diskutiert, die unter diesem Diskurs subsumiert werden. Hier stellt sich auch die Frage, wie weit die Debatten in ihrer Kritik gehen: Welche Strömungen sprechen wen bzw. was an und inwiefern werden gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse thematisiert? Und wie verhalten sich Konzepte des Postwachstums zu aktuell geführten Debatten um die Krise der Migration und der sozialen Reproduktion?

In einem dritten Schritt soll mit aktuell geführten, sozialen Kämpfen um Ernährungssouveränität, Selbstverwaltung erneuerbarer Energien und dem Recht auf Stadt die noch abstrakte Utopie konkretisiert werden. Hier soll diskutiert werden, ob im Zuge der scheinbaren Ausbreitung des Diskurses von einer neuen sozialen Bewegung gesprochen werden kann, die bereit ist, ein politisches Gegenprogramm zu herrschenden Praktiken zu bieten oder ob hier eher im Zuge eines harmonischen Pluralismus gesellschaftliche Nischen besetzt werden.

Zuletzt soll auch Perspektiven des Globalen Südens Raum gegeben werden, die sich mit ähnlichen Problemstellungen auseinandersetzen. Existieren produktive Überschneidungen zwischen Postwachstumsansätzen und Interventionen aus dem Globalen Süden oder verbleibt Postwachstum in einer eurozentristischen Blase?

Die hier angebotene Auseinandersetzung mit dem Postwachstumsdiskurs zielt also darauf ab, dessen Grenzen und Möglichkeiten innerhalb aktueller gesellschaftlicher Dynamiken einschätzen und verorten zu können. Was bringt die Zukunft: Mehr oder weniger? Kann Postwachstum Alternativen bieten und wenn ja, welche und für wen?

Programm [Änderungen vorbehalten]:

Den Zugang zu Texten, Vorlesungsinhalten und ggf. Audio/Filmaufnahmenfindet ihr unter folgendem Link: https://1drv.ms/f/s!AjrNvzC0EAa8gS63mI3HucKqqndR

###English Version:

A growing economy is said to lead to social well-being. However: more and more we have to ask, how can this work in a world that has only limited resources? This is a question which many men and women today ask when being confronted by ever more visible climate change and the consequences of ecological crises.

An answer is offered by concepts of “post-growth” which turn into a prominent debate under the slogan “De-Growth”. In this context the logic of growth is left behind and there is doubt, whether a world aiming for growth will be sustainable in the future – neither for the environment nor for a just society. On the other side there is the promise, that a good life for all will be feasible in a future without growth.

Why this promise is or is not an utopia shall be discussed from various angles in the lecture series. The lecture series is divided into five blocks. The first block deals with the diagnosis of the times framed by the discourse of post-growth. In a further step, the fundamental trends and ideas which pop up in this discourse will be discussed. Here, we also have to ask how far criticism is propelled in these debates: Which trends address whom or what, and to what extent are societal relations of power and domination part of it? And what is the relationship of concepts of post-growth to the current debates about the migration crisis and social reproduction?

In the third block the still abstract utopia shall be put in concrete terms by current social strife for food sovereignty, self-management of renewable energy and the right to the city. Here, a point to discuss will be whether the seeming proliferation of the topic amounts to a novel social movement, willing to formulate a political program against prevailing practices, or whether there is a harmonious pluralism aiming to occupy social niches.

Finally, we will include perspectives from the Global South dealing with similar problems. Are there productive intersections between approaches of post-growth and interventions from the Global South or does post-growth persevere in an Euro-centric bubble?

What then will the future bring: more or less? Can post-growth offer alternatives, and if yes, which and for whom? And finally, who are these “all” who are promised a good life?

Literature and other lecture contents can be found here: https://1drv.ms/f/s!AjrNvzC0EAa8gS47DLkjOS91WTHj