Veranstaltungsreihe SoSe 2015

[UtopIE & Praxis]

Soziale Ungleichheiten in und zwischen Gesellschaften, immer mehr Umweltprobleme und zunehmend autoritäre Politik: Es läuft so einiges schief auf dieser Welt. Höchste Zeit also, sie zu retten. Aber wie? Etwa als Freiwillige in sozialen Projekten in Ländern des Südens? Durch eine Wirtschaft, die ohne Wachstum auskommt? Oder durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen weltweit?
Als Basisgruppe der Studienrichtung Internationale Entwicklung liegen uns emanzipatorische Perspektiven, die das gute Leben für alle ermöglichen wollen, besonders am Herzen. Doch nicht immer halten die Ideen, was sie versprechen. Gerade sie für „alle“ einzulösen, scheint sehr schwer umzusetzen. Deshalb wollen wir im Zuge einer Veranstaltungsreihe drei „Weltrettungsszenarien“ genauer unter die Lupe nehmen. Das bedeutet für uns, engagierten Konzepten auch durchaus kritische Fragen zu stellen und sie konstruktiv zu diskutieren.
Zur Verwirklichung von UtopIEn bedarf es einer Praxis, die sich auf den Weg dorthin begibt. Die Abzweigungen sind vielfältig und womöglich verlaufen einige in Sackgassen. Dies macht die Diskussion darüber umso notwendiger und wertvoller. Darum laden wir euch alle (!) herzlich dazu ein, gemeinsam mit uns Gedanken auszutauschen. Bei drei spannenden Podiumsdiskussionen werdet ihr auch ausreichend Möglichkeit haben, selbst Fragen zu stellen und eure UtopIEn zu äußern.

 

Wirtschaft ohne Wachstum als Weltretterin?

Degrowth/Postwachstumskonzepte im Vergleich.

Audiomitschnitt: Wirtschaft ohne Wachstum als Weltretterin?

Dienstag, 2. Juni 2015, 19 Uhr im WUK

Eine wachsende Wirtschaft soll zu sozialem Wohlstand führen. Doch: Immer mehr und mehr – wie kann das funktionieren in einer Welt, die nur über begrenzte Ressourcen verfügt? Das ist eine Frage, die sich heute viele Menschen angesichts von Debatten um Klimawandel und ökologische Krisen stellen. Um das angekratzte Image des Wirtschaftswachstums aufzupolieren, wird unter dem Stichwort “Nachhaltigkeit” versucht Wachstum und den Schutz von Umwelt zu vereinen. Doch ist das überhaupt möglich?
Konzepte des Postwachstums – auch unter dem Schlagwort “Degrowth” bekannt – gehen einen Schritt weiter. Sie wenden sich ganz von Wachstumskonzepten ab und glauben nicht daran, dass eine auf Wachstum ausgerichtete Welt in Zukunft tragfähig sein wird. Weder für die Umwelt, noch für eine gerechte Gesellschaft. Stattdessen versprechen sie: Ein gutes Leben für alle ist in Zukunft ganz ohne Wachstum möglich!
Was bringt also die Zukunft: Mehr oder weniger? Kann Postwachstum Alternativen bieten und wenn ja, welche? Außerdem: Wer sind diese „alle“, denen da ein gutes Leben versprochen wird und wie schaut dieses überhaupt aus?
Warum eine Gesellschaft ohne Wachstum (k)eine Utopie ist, diskutieren aus verschiedenen Perspektiven:

Nina Treu ist Mitbegründerin des Konzeptwerks Neue Ökonomie (Leipzig) und war Team- und Programmkoordinatorin der degrowth-Konferenz in Leipzig 2014.

Präsentation Degrowth (Nina Treu): Was ist Degrowth?

Ina Meyer setzt sich als Forschungsbereichskoordinatorin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) mit Fragen des Klimawandels, energieökonomischer Analysen und der Nachhaltigkeit auseinander.

Ulrich Brand ist Professor für Internationale Politikwissenschaft an der Universität Wien mit dem Forschungsschwerpunkt für internationale Umwelt- und Ressourcenpolitik.

Viele Texte online.

Moderation: Beate Littig ist Leiterin der Soziologie-Abteilung des Instituts für Höhere Studien. Unter ihre Forschungsschwerpunkte fällt unter anderem sozialwissenschaftliche Umweltforschung.

Wann: Dienstag, 02.06.2015, 19 Uhr
Wo: WUK, Initiativenraum, Währinger Str. 59, 1090 Wien
Der Eintritt ist natürlich frei.

 

Als Freiwillige_r die Welt retten?

Audiomitschnitt: Als Freiwillige_r die Welt retten?

Montag, 27. April 2015, 19 Uhr im WUK

Nach der Schule ein Jahr ins Ausland und das auch noch für einen guten Zweck? Immer mehr Menschen machen ihren Freiwilligendienst oder Zivildienst in Ländern Südamerikas, Afrikas oder Asiens. Viele verbinden damit eine tolle Zeit, in der sie viel gelernt haben, über sich und wahrscheinlich auch die Welt.
Aber sind Freiwillige auch Weltretter*innen? Können Freiwillige tatsächlich “helfen”, wenn sie für einige Monate in einem Waisenheim oder einer Schule in Ländern des globalen Südens arbeiten? Wem nützt der Freiwilligendienst – den Freiwilligen oder den Einrichtungen und Menschen vor Ort? Nützt er überhaupt? Und was bleibt danach?
Die Diskutant*innen auf dem Podium beleuchten den Freiwilligendienst aus verschiedenen Perspektiven:

Johannes Ruppacher ist Geschäftsführer von Volontariat bewegt, einer Freiwilligendienst-Entsendeorganisation. Sie bietet jungen Menschen seit Jahren die Möglichkeit, als Freiwillige im Ausland in verschiedensten karitativen Einrichtungen tätig zu sein.

Kristina Kontzi vom Berliner Verein glokal betrachtet Freiwilligendienste aus einer postkolonialen, kritischen Perspektive. In ihrer Doktorarbeit untersucht sie, welche koloniale Prägung die Strukturen der Entwicklungszusammenarbeit heute haben und welche Rolle Freiwilligendienste dabei spielen.

Joschka Köck arbeitete als Freiwilliger in Botswana und wird uns seine Erfahrungen und die Eindrücke eines Rückkehrers schildern können.

Die Veranstaltung wird moderiert von Stefan Ossmann, Lehrender und selbst ehemaliger Student der Internationalen Entwicklung.

Wann: Montag, 27.04.2015, 19 Uhr
Wo: WUK, Initiativenraum, Währinger Str. 59, 1090 Wien
Der Eintritt ist frei.

 

Mit dem Grundeinkommen die Welt retten?

Globale Aspekte eines Bedingungslosen Grundeinkommens.

Mittwoch, 17. Juni 2015, 19 Uhr im WUK

Audiomitschnitt: Mit dem Grundeinkommen die Welt retten?

Stell dir vor, du bekommst jeden Monat ein Bedingungsloses Grundeinkommen in existenzsichernder Höhe – einfach so, ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zur Lohnarbeit. Was würde das für die Gesellschaft bedeuten, in der du lebst? Die Chance auf mehr Solidarität und Freiheit oder das Festschreiben von Abhängigkeitsverhältnissen?
Wer geht denn dann noch arbeiten? Und wer soll das überhaupt zahlen? Die Debatte um ein Bedingungsloses Grundeinkommen wirft viele Fragen auf. Als Basisgruppe der Internationalen Entwicklung möchten wir den Fokus auf die weltweite Dimension der Idee legen: Was bedeutet ein Grundeinkommen für Nord-Süd-Beziehungen? Kann und sollte es global gedacht werden? Und welche Ansätze zur Einführung eines Grundeinkommens gibt es vielleicht schon in der Praxis?
Ob ein Bedingungsloses Grundeinkommen die Welt retten kann, diskutieren auf dem Podium:

Werner Rätz ist Mitglied des Netzwerk Grundeinkommen und attac und tritt seit vielen Jahren für ein Grundeinkommen ein.

Simone Knapp von der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika war in ein Grundeinkommens-Pilotprojekt in Namibia involviert.

Sidy Mamadou Wane ist ein Grundeinkommens-Aktivist und Percussions-Künstler aus Wien.

Die Veranstaltung wird moderiert von Daniel Görgl vom Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien.

Wann: Mittwoch, 17.06.2015, 19 Uhr
Wo: WUK, Initiativenraum, Währinger Str. 59, 1090 Wien
Der Eintritt ist bedingungslos frei.